349 Seiten über das Leben der Australierin Bronnie Ware, zusätzlich mit berichteten Erfahrungen Sterbender im Hauptteil des Buches. Dennoch: ganz schön viel ihr Leben, ganz schön wenig Einsichten der Sterbenden für meine Erwartungen. Unten zeige ich euch darum eine Abkürzung.

Cover 5 Dinge die Sterbende am meisten bereuen
5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen - Einsichten, die ihr Leben verändern werden

Autorin: Bronnie Ware
Verlag: arkana
Seiten: 352
ISBN: 978-3-442-34129-0
Übersetzerin: Wibke Kuhn
Erscheinungsjahr: 2013

Buchseite im Verlag

Aufbau

Das Buch hat zwei Themen: Bronnies eigene Lebenserfahrungen und die Einsichten Sterbender, die sie als Sterbebegleiterin betreut hat. Es gibt 5 Punkte der Reue und je drei Kapitel pro jeweiligem, von den Sterbenden angesprochenen Reue-Thema. Dann schreibt sie noch in jedem Kapitel, wie sie selbst in ihrem Leben etwas zum Thema gelernt hat und erzählt so nach und nach ihren Lebenslauf. Zusätzlich erzählen die ersten paar Kapitel nur davon, wie sie zum Sterbebegleiter-Job gefunden und was sie davor gemacht hat. Und auch die letzten drei Kapitel handeln überhaupt nur von ihr, und was sie dann noch so weiter gemacht hat. All das führt dazu, dass das Buch viel weitschweifiger ist als man erwartet, und die Geschichten der Sterbenden leider fast zur Nebensache werden, die für mich das einzige Thema hätten sein sollen.

So ist das also. Es ist ihr erstes Buch, und ich habe das Gefühl, sie ist genau auf das gekommen, was wohl die meisten Leute intuitiv tun würden, die „mal ein Buch schreiben“ wollen: Sie hat einfach größtenteils ihr eigenes Leben erzählt, und was sie so daraus gelernt hat.

Gutes

Bei allen Action-Masturbationen, Kriegs- oder Horrorfilmen, Krimis, Thrillern und realen brutalen Nachrichten, die um uns sind, war es sehr wohltuend, in diesem Buch einfach mal ein paar ruhige, friedliche Tode zu lesen. Denn wenn Bronnie beim Tod eines ihrer Patienten anwesend war, beschreibt sie die damalige Situation auch für die Leser. Es sind angenehm zu lesende Tode. Alle Patienten, die sie im Buch beschreibt, haben noch ihren Frieden machen können und haben in ihren letzten Stunden oft Familie und Freunde um sich.

Das Buch hat auch eine gewisse positive Ausstrahlung, Bronnie Ware schreibt viel von Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Authentizität. Ich habe gemerkt, wie ich selbst offener wurde, während ich darin las, freundlicher, und meinen Mitmenschen mehr zugewandt. Etwa, wenn ich gerade in der S-Bahn oder Bahn gelesen habe, dann entspann sich, wenn ich zwischendurch in die Umgebung schaute, oft mal ein nettes Gespräch oder ich tauschte Lächeln.

Bedenken: Spiritualität

Die Autorin ist selbst ziemlich spirituell unterwegs, und dass sie dabei nicht differenziert sondern ihre Ansichten als Tatsachen hinstellt, könnte manche stören. Sie meditiert, sie betet, sie glaubt scheinbar nicht an Zufälle. Dafür auf jeden Fall daran, dass man nach dem Tod irgendwo hin kommt und dass Menschen oder Geister Zeichen schicken können. Es klingt alles sehr hübsch bei ihr und sie schreibt, dass ihr ihre Einstellung im Leben hilft, aber meins ist es nicht. Ein wenig bevormundet fühlt man sich auch.

Bedenklich wird es für mich zum Beispiel, wenn sie von einer tiefen Depression schreibt, die sie erlebte, und dazu, dass Medikamente „nicht das Richtige“ für sie waren, auch wenn sie „niemanden dafür verurteile“, der es mit Medikamenten versucht. Da würde man sich doch von einer Autorin eines in 27 Sprachen übersetzten Bestsellers wünschen, dass sie Medikamente nicht nur nicht verurteilt (sollte selbstverständlich sein), sondern dass sie vielleicht auch dazu ermutigt, das solche Medikamente für manche eine große Hilfe und Stütze sein können.

Dann schreibt sie, wie sie eines Tages nur ein Anruf von einem schon detailliert geplanten Selbstmord abhielt. Für sie natürlich kein Zufall, Schicksal und so weiter. Ich jedoch kann nicht anders, als daran zu denken, dass es genug Menschen gab und noch geben kann, für die kein Anruf kommt. Und ich denke: Wer auf ihren Rat hört, wäre dann vielleicht nicht eines Tages erfolgreiche Ratgeberautorin, sondern einfach tot.

Weitere im Buch unhinterfragte Einstellungen:

Man sollte sich ständig auf das Gute konzentrieren. Man sollte den „Verstand überwinden“ und auf das Herz hören. Ein Leben ohne Probleme ist möglich.

All das finde ich gefährlich. So ist meiner Meinung nach das lohnenswertere Ziel, zu lernen, wann man am besten auf den Verstand, und wann auf das Herz hört, aber bestimmt nicht, den Verstand komplett abzuschaffen. Genauso sollte man gute Strategien lernen, mit Problemen umzugehen, statt sich nur in ein problemfreies Leben zu wünschen. Es ist halt nicht immer alles nur gut.

Generell erscheint die Autorin eben oft unsicher, und da wäre es ja nichts Neues, sich in so einer Verfassung in spirituelle Extreme zu stürzen. Ich halte sie daher für keine gute Lebensratgeberin.

Lohnt?

Die Kapitel über die Sterbenden sind empfehlenswert. Die Lebensgeschichte der Autorin jedoch wird immer langatmiger und unnötiger. Durch die letzten zwei Kapitel musste ich mich quälen.

Es lohnt sich die 5 Reue-Punkte der Sterbenden zu kennen. Doch ich linke euch lieber mal ihren ursprünglichen Blogbeitrag, aus dem heraus die Idee zum Buch entstanden ist. Für diejenigen, die Englisch können, stehen dort die 5 Punkte ohne das ganze Drum und dran.
http://bronnieware.com/regrets-of-the-dying/

Das Buch empfehle ich aus der Bibliothek zu leihen, wenn es euch interessiert. Meine hatte es.


weitere positive Besprechung auf Youtube: Ginger Valou